Folgt nach der Meuterei jetzt die Übernahme? – Rücktritt, Streit und Sexismus-Sticker

Pressewart äußert sich zu Vorgängen am Torfmoor

"Geil auf Grönau 3?" -Für diesen Aufkleber gab es eine Rüge. Foto: privat

Groß Grönau – In der Öffentlichkeit wirkte es wie eine gewöhnliche sportliche Umstrukturierung, doch hinter den Kulissen des TSV Eintracht Groß Grönau tobt ein erbitterter Machtkampf. Zwischen Vorstand, Trainern, Mannschaften und auch Teilen der Gemeinde ist ein Riss entstanden. Die Situation spitzt sich zu, nachdem das vorgestellte Konzept der 3. Herren bereits für viel Aufsehen gesorgt hat. Am heutigen Abend (4.4.) ab 18.30 Uhr steht eine Sitzung an, deren Existenz vom Verein verneint wurde, obwohl sie seit mindestens zwei Wochen angesetzt wurde. Eigentlich sollte Fußballabteilungsleiter Thomas Engel dabei offiziell entlassen werden. Dem kam dieser jedoch zuvor.

Engel geht, noch bevor er gehen soll

Eigentlich sollte Engel, bisheriger Leiter der Fußballabteilung, am Abend offiziell entlassen werden. Doch er kam dem zuvor und legte sein Amt bereits vor einer Woche nieder. Offiziell heißt es vom Verein, der Rückzug habe „interne Gründe“, doch aus Vereinskreisen wird ein anderes Bild gezeichnet. Engel sei nicht mehr erwünscht gewesen, weil er sich nicht dem Kurs des Vorstandes unterordnen wollte. Er wollte anscheinend den neuen Weg nicht mittragen. Als Jugendtrainer wird der ehemalige Leiter der Fußballabteilung wohl bleiben.

Systematischer Umbau

Zunehmend wird im Verein von einem gezielten Austausch der Strukturen gesprochen. Phillip Gläfke, Teil des Trainerteams der 3. Herren und mutmaßlicher Mitverfasser des Umstrukturierungskonzepts, wird neuer Fußballabteilungsleiter. Der ist eng verbunden mit dem 1. Vorsitzenden Marco Michl. Der Vorwurf: Es gehe nicht um sportliche Konzepte, sondern um Macht und Kontrolle. Ungesehene Gäste sollen aus dem Verein gedrängt werden. Gläfkes neue Rolle wird daher von einigen Beteiligten nicht als Zufall gesehen, sondern als Teil eines gezielten Plans, Einfluss innerhalb der Fußballabteilung durch loyale Personen zu sichern. Dass mehrere Vorstandsposten neu besetzt wurden und sich auch Sponsoren aus dem Verein zurückzogen, wird dabei als weiterer Beleg für eine bewusste Machtsicherung gewertet. Michl selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch in anderen Teilen des Vereins scheint diese Art der Führung Spuren zu hinterlassen. Immer wieder ist die Rede von langjährigen und engagierten Mitgliedern, die dem Verein in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben, darunter auch Sponsoren, die sich laut interner Stimmen bewusst zurückgezogen haben. Die Gründe? Differenzen mit Teilen des Vorstands, fehlender Dialog und eine zunehmend polarisierte Atmosphäre im Inneren des Clubs.

Kritik an der 3. Herren

Kritik kommt auch aus der 1. Herren. In einem internen Schreiben heißt es, einzelne Spieler der Dritten seien wohl gar nicht daran interessiert, höherklassig zu spielen. Konkrete Anfragen der Ersten seien abgelehnt worden. Stattdessen genieße die Dritte ihre Vorteile auf und neben dem Platz. Man spricht von einer „Partytruppe“, die dafür auch im Dorf bekannt ist. Zudem gibt es massive Vorwürfe gegen Verhalten von Spielern und Zuschauern der 3. Herren. Beim Spiel gegen den Türkischen SV soll es im Sommer 2024 zu diskriminierenden Äußerungen vom Spielfeldrand gekommen sein. Pressewart Manfred Rugullies sagt jedoch zu HL-SPORTS: „Ein Vorfall ist uns nicht bekannt.“ Aus Spielerkreisen heißt es hingegen, der Vorfall sei durchaus bekannt gewesen und es habe Entschuldigungen einzelner Spieler gegeben. Zudem kursierten sexistische Aufkleber im Umfeld der 3. Herren, ebenfalls ohne nennenswerte Konsequenzen. „Das mit den Aufklebern stimmt, das ist nicht gut und wurde intern geregelt und es gab eine Rüge, das sollte nicht wieder vorkommen und ist auch nicht mehr danach“, so Rugullies.

Gemeinde contra Verein?

Auch das Verhältnis zur Gemeinde scheint angespannt. Auf einer Versammlung wurde deutlich, dass es zwischen Teilen des Vereinsvorstands und kommunalen Vertretern kracht. Laut Rugullies habe es „eine normale Veranstaltung“ gegeben, bei der „nicht alle Parteien einer Meinung waren“. Der Bürgermeister sei nicht am Reden gehindert worden. Es wurde lediglich miteinander diskutiert, doch dabei handele es lediglich um „90 Sekunden“ der gesamten Veranstaltung.

Dennoch: In der Gemeindevertretung wurde bereits Ende 2024 ein Zuschussantrag über 25.000 Euro abgelehnt, laut Rugullies, weil die Gemeinde derzeit „nicht mehr die Unterstützung geben kann, die sie dem Verein mal gegeben hat“. Dass der Verein mit rund 1.700 Mitgliedern auf diese Summe angewiesen ist, wird nicht bestritten: „Als Verein ärgert man sich, wenn die Gemeinde etwas streicht, ist ja logisch“, so Rugullies weiter. Finanzielle Probleme gebe es laut ihm trotzdem nicht. Die Stimmung sei jedoch „emotional.“ „Jeder spricht mit jedem und vielleicht nicht immer mit der richtigen Person.“

Vertrauen erschüttert

Was kritisiert wird: Die Kommunikation im Verein läuft offenbar nicht offen, sondern auf Umwegen. Auch das bestätigt Rugullies: „Der Gegenpart kann gerne an uns herantreten und uns die Meinung geigen oder uns helfen, weil reden ist immer besser als alles andere.“ Er ergänzt: „Es wundert mich, dass sich so viele heimlich äußern oder bei irgendwem „auskotzen“. Das ist natürlich nicht hilfreich.“

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„Wir werden in Kürze eine 1., 2. und 3. Mannschaft aufstellen“

Vereinsoffiziell spricht man von einer sportlichen Neustrukturierung. „Wir werden in Kürze eine 1., 2. und 3. Mannschaft aufstellen, uns intern neu aufstellen mit einem anderen Kader. Wir gucken gerade, wer mit wem und warum. Das sind gerade unsere ganz normalen Arbeiten, die wir erledigen müssen“, erklärte der Pressewart. Dass dieser „normale Prozess“ im Verein für Unmut sorgt, liegt auch an fehlender Kommunikation. Die 1. Herren fühlte sich überrumpelt. Ein bereits vorbereitetes Konzept der 3. Herren zur Übernahme der Verbandsligamannschaft lag dem Vorstand laut internen Stimmen schon vor, als das Trainerteam der Ersten eigene Ideen einbringen wollte.

Der Verein wankt: Wohin geht die Reise?

Eintracht Groß Grönau steht an einem kritischen Punkt. Die sportlichen Entwicklungen, wie etwa die Erfolge der 3. Herren, geraten angesichts der internen Spannungen in den Hintergrund. Vertrauensverlust, unklare Kommunikation, politischer Druck und offene Vorwürfe prägen derzeit das Bild des Vereins. Die große Frage: Geht es hier wirklich um sportliche Weiterentwicklung oder darum, unliebsame Stimme loszuwerden und ein neues Machtgefüge zu etablieren?

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  • Grönau: privat
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